2. Weltkrieg

 
Während des Dritten Reiches erlangten die „Deutschen Christen“ auch in Seckenheim nicht unerheblichen Einfluss. 1941 gelang es dieser Gruppierung mit Pfarrer Dr. Andreas Duhm die Pfarramtsstelle in Seckenheim zu besetzen. Bis Kriegsende sorgte dies für heftige Turbulenzen in der Gemeinde. Während ein Großteil des Kirchengemeinderats die Ideologie der Deutschen Christen unterstützte, kam es von Seiten der Gemeinde, einschließlich des Kirchenchores, immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen mit Pfarrer Duhm, was schließlich zum Rücktritt des damaligen Kirchenchorleiters Heinrich Roser führte.

Eine Aufstellung der geschichtlichen Ereignisse der Jahre 1933 -1945 ist in folgenden Publikationen nachzulesen:
Hans-Jörg Probst „Seckenheim“, Südwestdeutsche Verlagsanstalt Mannheim, 1981
Karl-Hermann Schlage „Evangelische Kirchenmusik in Mannheim“
Palatium-Verlag Mannheim, 2000
Udo Wennemuth „Geschichte der evangelischen Kirche in Mannheim“
Verlag Thorbecke, Sigmaringen, 1996.

Kriegsschäden
Die Schäden durch Kriegseinwirkung bis 1945 hielten sich glücklicherweise in Grenzen.
Am Dachgesims des Turmes gingen 8 Putten, sowie die gotischen Krabben, Fialen und Kreuzblumen verloren. Die Chorfenster wurden stark beschädigt.

Wiederaufbau und Strukturveränderung in der Erlösergemeinde nach 1945
Ein umfassender Neuanfang war in Seckenheim notwendig geworden.
So resümiert der damalige Dekan Joest an den Evangelischen Oberkirchenrat am 17. Juli 1946 im Rahmen der Pfarrstellenausschreibung:
»…..Geblieben ist eine große Empfindlichkeit gegen alles, was an das DC-Regiment des einstigen Kirchengemeinderats und die geistlichen Verirrungen des früheren Pfarrers (...) erinnert. Geblieben ist auch eine gewisse Zurückhaltung der Männer vom gottesdienstlichen Leben (...). Hier liegen große Aufgaben für den zukünftigen Pfarrer«
Die ersten Maßnahmen zum Wiederaufbau der Gemeinde wurden dabei, unterstützt durch den Männerverein, von Pfarrer Scharnberger geleistet, der in den 8 letzten Kriegsjahren die »Minderheiten- Versorgung« der Seckenheimer Gemeinde übernommen hatte. Den Wunsch der Gemeinde, das Pfarramt in Seckenheim auch regulär zu übernehmen, lehnte er jedoch ab.

Von dem neuen Pfarrer wurde vor allem erwartet, die in der Arbeiter- und Bauerngemeinde bestehenden Spannungen auszugleichen und die »vernachlässigte« Jugend wieder in eine Beziehung zur Kirche zu führen:
»Vom Pfarrer als Prediger erwartet die Gemeinde, dass er ohne Absprünge und Weitschweifigkeit' sich an den Text halte und das biblische Evangelium verkündige. Er möge auch bedenken, dass unter seiner Kanzel viele Schwergeprüfte säßen, die nicht immer wieder neue Verdammungsurteile über die politischen Sünden ihrer Söhne hören, sondern aufgerichtet werden wollten durch den Trost und die Kraft der Heiligen Schrift«.
 
Im Juni 1947 wurde Pfarrer Hermann John aus Gottmadingen auf die Pfarrstelle der Erlösergemeinde berufen.

In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde die Aufarbeitung der Nazi-Zeit, wie in nahezu ganz Deutschland, stillschweigend übergangen. Erst in den 80ger- und 90ger Jahren gab es innergemeindliche Diskussionen, die zeigten, dass die Ereignisse und Geschehnisse, Leid und Unrecht der damaligen Zeit durchaus schmerzvoll in der Erinnerung der Menschen weiterleben.