Die Kirchengemeinde im 1. Weltkrieg

 
Während die Kupferabgabe in der Regel vorübergehend entbehrliche Dinge betraf, griff die »Glockenspende« tief in das kirchliche Leben ein.
Als im Frühjahr 1917 die Aufforderung zur Ablieferung der Glocken eintraf, widersetzte man sich in Mannheim dieser »Notwendigkeit« nicht:
„Es widerspräche dem »protestantischen« Geist, wollte man dieses Opfer umgehen.“
Nur für die Konkordienkirche und die Christuskirche in der Innenstadt setzte man sich wegen des historischen bzw. musikalischen Wertes des Gesamtgeläutes erfolgreich für deren Erhalt ein. Ansonsten verblieb in jedem Kirchenturm nur die kleinste Glocke als Läuteglocke.
»Ihr einsamer Klang ist wie ein wehmütiges Bekenntnis heutiger Not, aber auch der dem Vaterland treu dienenden Entsagungspflicht«, resümiert ein Zeitgenosse.
Bevor die Glocken abgeholt wurden, veranstaltete die Gemeinde ein einstündiges Abschiedsläuten sämtlicher Kirchenglocken. Die Reineinnahme aus der Abgabe der Glocken in Höhe von 48000 Mark wurde in einem Sonderfonds zur späteren Wiederbeschaffung neuer Glocken angelegt.
Am 19.09.1917 erschien der Glockengießer Hamm aus Frankenthal und zerschmetterte auf dem Turm die drei großen Glocken, um sie zur Materialsammelstelle zu transportieren.
Schon zuvor, im Juni 1917, beschlagnahmten die Behörden die Prospektpfeifen der Orgel, um deren Metall der Waffenproduktion zuzuführen.